Donnerstag beim Mittagessen
hatte ich eine interessante Diskussion mit einem Arbeitskollegen, der
Abteilungsleiter im Gesundheitsministerium ist und gerne mit mir sein
Know-How teilt.
Das
Thema war die Spitals(=Krankenastalten)-Finanzierung. Früher gab es
einen Pauschalbetrag pro Aufenthaltstag des Patienten für die
Krankenanstalten aus den Fonds. Deshalb versuchten einige Anstalten die
Patienten länger im Spital zu behalten als notwendig, um mehr Geld
abzukassieren. Heutzutage basiert die Abrechnung aber auf dem
sogenannten LKF Punktesystem,
wobei nach bestimmten Leistungen abgerechnet wird. Sprich, zum Beispiel
das Einsetzen einer Herzklappe bei einem Patienten bringt 14.785 Punkte
und dafür gibt es einen festgelegten Betrag aus den
Landesgesundheitfonds (die sich aus Beträgen von Bund, Länder, Gemeinden
und der Sozialversicherung zusammensetzen). Je
nach Patiententyp, Zustand und Krankheitsfall gibt es diverse Zuschläge (z.B.
Intensivzuschlag). Jedenfalls gibt es aber eine Belagsdauerobergrenze
und eine Untergrenze. Deshalb wollen die Spitäler heutzutage ihre
Patienten oft „schneller“ los werden, weil sie für den Patienten gleich
viele Punkte und somit Geld erhalten egal ob der nun 10 Tage im Spital
liegt oder 20 (was natürlich viel mehr kostet).
Und
nun zum interessanten Punkt: Werden bei den öffentlichen Spitälern die
Kosten überschritten, was leider der Normalfall ist, dann springt Vater
Staat ein und übernimmt die Differenz. Das wiederum geschieht bei
privaten Ordensspitälern nicht. Deshalb, bieten öffentliche Spitäler
alles an und sind ausrüstungstechnisch tw. kompletter ausgestattet. Sprich,
es werden wirklich alle Fälle behandelt! Während sich die Ordensspitäler
auch gerne die Rosinen raus picken und die teuersten Eingriffe aus dem
LKF Katalog übernehmen. Es kann auch passieren, dass man von einem
privaten in ein öffentlichen Spital weiter geschickt wird wenn z.B. die
Ausrüstung oder das Personal fehlen (wenn es dort nur Schönheitschirurgen
gibt ist man mit Nierensteinen natürlich falsch)…
In
bestimmten Fällen, die sich halt rechnen, können Privatspitäler natürlich ein besseres Know-How haben und ein tolleres Service
bieten. Aber die komplexeren und breitgefächerteren speziellen Fälle,
übernehmen eigentlich fast nur öffentliche Spitäler. Und wenn wir uns
ehrlich sind, einfache Krankheitsverläufe und –bilder sind schon selten.
Ich würde mich eher in einem Spital wohlfühlen wo sie auch für
Komplikationen gerüstet sind. Natürlich zahlt Vater Staat oft ordentlich
drauf, aber dafür haben wir halt auch eine tolle öffentliche
Gesundheitsversorgung in Österreich :-)
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