25. August 2013

Öffentliche vs. private Spitäler

Donnerstag beim Mittagessen hatte ich eine interessante Diskussion mit einem Arbeitskollegen, der Abteilungsleiter im Gesundheitsministerium ist und gerne mit mir sein Know-How teilt.

Das Thema war die Spitals(=Krankenastalten)-Finanzierung. Früher gab es einen Pauschalbetrag pro Aufenthaltstag des Patienten für die Krankenanstalten aus den Fonds. Deshalb versuchten einige Anstalten die Patienten länger im Spital zu behalten als notwendig, um mehr Geld abzukassieren. Heutzutage basiert die Abrechnung aber auf dem sogenannten LKF Punktesystem, wobei nach bestimmten Leistungen abgerechnet wird. Sprich, zum Beispiel das Einsetzen einer Herzklappe bei einem Patienten bringt 14.785 Punkte und dafür gibt es einen festgelegten Betrag aus den Landesgesundheitfonds (die sich aus Beträgen von Bund, Länder, Gemeinden und der Sozialversicherung zusammensetzen). Je nach Patiententyp, Zustand und Krankheitsfall gibt es diverse Zuschläge (z.B. Intensivzuschlag). Jedenfalls gibt es aber eine Belagsdauerobergrenze und eine Untergrenze. Deshalb wollen die Spitäler heutzutage ihre Patienten oft „schneller“ los werden, weil sie für den Patienten gleich viele Punkte und somit Geld erhalten egal ob der nun 10 Tage im Spital liegt oder 20 (was natürlich viel mehr kostet).

Und nun zum interessanten Punkt: Werden bei den öffentlichen Spitälern die Kosten überschritten, was leider der Normalfall ist, dann springt Vater Staat ein und übernimmt die Differenz. Das wiederum geschieht bei privaten Ordensspitälern nicht. Deshalb, bieten öffentliche Spitäler alles an und sind ausrüstungstechnisch tw. kompletter ausgestattet. Sprich, es werden wirklich alle Fälle behandelt! Während sich die Ordensspitäler auch gerne die Rosinen raus picken und die teuersten Eingriffe aus dem LKF Katalog übernehmen. Es kann auch passieren, dass man von einem privaten in ein öffentlichen Spital weiter geschickt wird wenn z.B. die Ausrüstung oder das Personal fehlen (wenn es dort nur Schönheitschirurgen gibt ist man mit Nierensteinen natürlich falsch)…

In bestimmten Fällen, die sich halt rechnen, können Privatspitäler natürlich ein besseres Know-How haben und ein tolleres Service bieten. Aber die komplexeren und breitgefächerteren speziellen Fälle, übernehmen eigentlich fast nur öffentliche Spitäler. Und wenn wir uns ehrlich sind, einfache Krankheitsverläufe und –bilder sind schon selten. Ich würde mich eher in einem Spital wohlfühlen wo sie auch für Komplikationen gerüstet sind. Natürlich zahlt Vater Staat oft ordentlich drauf, aber dafür haben wir halt auch eine tolle öffentliche Gesundheitsversorgung in Österreich :-)

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