Nachfolgend unsere Fotos und interessante Facts von unserer Führung durch's AKW Zwentendorf. Zuerst wurde uns im Willkommenszimmer die Geschichte, Gegenwart und Zukunft des AKW näher gebracht:
- Erbaut wurde das AKW bereits 1972-1974. Doch das Areal in Zwentendorf schien bereits von Anfang an unter einem Unglücksstern zu stehen... 2 Wochen nach Baubeginn gab es ein Erdbeben, das zur Folge hatte, dass das Fundament nochmal neu gebaut werden musste.
- Die Volksabstimmung unter Bruno Kreisky im Jahr 1978 (zwischen 1974 & 1978 hat man sich um die Zulassungen gekümmert) wurde von der Regierung nur durchgeführt, weil man sich sicher war, dass sie positiv ausgehen würde. Doch das war ein Irrglaube: 50,47% stimmten dagegen und 49,53% dafür. Damit war das dem Parlament vorgelegte Gesetz gefallen...
- Der Bau des AKW kostete 7 Milliarden Schilling. Das AKW war nach dem Bau bis 1986 (einige Monate vor Tschernobyl) noch im Konservierungsbetrieb. Heißt, Arbeiter kamen trotz dem, dass das AKW nicht in Betrieb war, jeden Tag hin und kontrollierten alles. Man kann sich also vorstellen wie deprimierend das für die Arbeiter war die davor jahrelang geschult worden sind!!! Diese "Betriebskosten" betrugen nochmals 7 Milliarden Schilling. Macht in Summe 14 Milliarden Schilling (1 Mrd. €).
- Danach gab es unterschiedliche kuriose Ideen wie das AKW genutzt werden könnte. Die skurrilste kam wohl von einem Künstler, der die Toten in Glas ausstellen wollte. Sodass man seine Liebsten immer anschauen kommen kann...
- Wozu wurde das AKW wirklich eingesetzt??? Zum einen als Ersatzteilspender (sieht man nachher auf Fotos wo was fehlt). Zum anderen als Schulungsort!!!! Weil natürlich in dem AKW keine Radioaktivität besteht und dadurch alle Räume besucht werden können und alles ausprobiert werden kann. Zur Info: Brennstäbe waren zwar schon gekauft, aber nicht in Betrieb und wurden als erstes wieder verkauft. Das Areal wurde danach an Schulen vermietet und die Gebäude als Ausweichsort verwendet. 2005 hat die EVN das AKW gekauft und führt dort nun einige Tests mit Solarpanels durch (wie erhält man den besten Wirkungsgrad, etc.).
- Die Straße zum AKW ist noch ein Beweis, dass dort nichts richtig geklappt hat. Denn die Namensgebung erfolgte erst vor 2 Jahren. Der "Sonnenweg" ist also in kaum einem Navi oder einer Karte zu finden...
Danach wurden wir mit einem Elektrotechnik-Studenten durch das AKW geführt - der hat es super rüber gebracht. Jetzt check sogar ich wie das so funktioniert...
Hier sieht man das Gebäude etwas von außen. Greenpeace Aktivisten hängen hier gerade ein Plakat für den neuen Werbespot auf. Wird wohl auch nicht so kostengünstig gewesen sein! Übrigens, diese Kühltürme, die man von anderen AKWs kennt, die gibt es hier nicht da die Donau zur Kühlung herangezogen wird. Stattdessen gibt es diesen Abluftturm. Kühltürme werden übrigens bei unterschiedlichen anderen u.a. kalorischen Kraftwerken auch verwendet, also nicht nur bei AKWs.

Eingang zum AKW. Hände waschen und dahinter die Kabine zur Überprüfung auf Radioaktivität. Diese Kabine wurde jedoch nur für einen Film erbaut, gibt es zwar heutzutage wirklich in den AKWs aber zur damaligen Zeit kam noch ein anderes Gerät zum Einsatz (später zu sehen).

Diese Anzüge inklusive der hübschen Unterwäsche mussten von allen Mitarbeitern getragen werden. Grund für die grelle Farbe der Unterwäsche: Damit man durchsieht, dass der Mitarbeiter tatsächlich nur die vorgeschriebene Wäsche trägt!!!

Aufzugsknöpfe. Hier werden allerdings nicht die Stockwerke angegeben, sondern die Höhenmeter bis zu dem jeweiligen Stockwerk (nennt sich "Koten" oder so). Alles also sehr praktisch angefertigt. Im Übrigen gibt es in dem AKW natürlich kein Fenster, damit ja keine Radioaktivität beim Öffnen hätte austreten können...

Blick in den Reaktor. Da drinnen befinden sich die Brennstäbe (mit dem angereichertem Uran, später noch zu sehen), die Steuerstäbe und dann kommt der Deckel drauf. Wasser kommt hier nur rundherum rein wenn die Brennstäbe getauscht werden.

Der "Deckel". Auch sehr witzig, man hat hier eigentlich an alles gedacht. Auf den Deckel hätten im Betrieb nämlich auch Betonblöcke kommen sollen (liegen neben dem Reaktor). Damit bei einem eventuellen Flugzeugabsturz der Rotor nichts zerstören kann.

Querschnitt... Nur kurz zur
Funktionsweise eines AKW. Ist eigentlich sehr simpel: Zur Kernspaltung wird angereichertes Uran (5%) in Tablettenform verwendet (nachher zu sehen). Energie entsteht in Form von Wärme, warmer Dampf wird dem Reaktor zugeführt (warm muss er deshalb schon sein, da ein zu großer Temperaturunterschied zu Komplikationen führen könnte). Der warme Dampf wird durch die Wärme die bei der Kernspaltung entsteht weiter erhitzt, der wiederum eine Turbine antreibt und die Turbine wiederum einen Generator (Umwandlung thermischer Energie in kinetische Energie). Also eigentlich recht simpel, wäre da dieses angereicherte radioaktive Uran nicht!!! Leider muss man es aber verwenden, da andere Energiequellen wie z.b. Öl eine weitaus geringere Energiedichte aufweisen (ca. 90 Mio fach!).

Hier sieht man nun sehr schön die Brennstäbe mit den angereicherten Urantabletten (graue Einheiten) als Modell.

Das berühmte Containment um den Reaktor! Hilft aber beim Super-Gau auch nichts und zweitens ist das schon auch sehr dünn...

Quasi neben dem Reaktor. Hier ist im Normalfall überall Wasser. Diese Rohre sollen etwaigen Dampf abziehen.

Hier der wohl wichtigste Raum: Steuerung der Steuerstäbe. Kernspaltung tritt ja nur auf wenn man die Steuerstäbe raus zieht. Die sind oft aus Cadium, Bor oder Graphit und verhindern eben in eingezogenem Zustand die Kernspaltung.
In diesem Raum wurde schon viel von den Steuerungskomponenten verkauft.

Super Ausblick von oben ;-)

Hier der Turbinen & Generatorraum inklusive der Welle.

Hier wieder der eigentlich Apparat der die Radioaktivität der Mitarbeiter misst *piep piep piep* Noch interessant, Piloten haben ihre Dosis an Radioaktivität an einem Tag bereits durch einen Flug von Paris in die USA erreicht! Und der Schichtleiter von Tschernobyl damals war angeblich schon von einem Atom-U-Boot Unfall verstrahlt...

Die Schaltwarte. Hier darf man alle Knöpfchen drücken, da die Schaltwarte für eben den vorhin erwähnten Film neu aufgebaut wurde.

Hier gibt es auch die einzige Uhr im AKW. Diese zeigt symbolisch auf 5 Minuten für 12 - quasi als Zeichen gegen die Nutzung der Atomkraft. Und sehr interessant, das Glas, das die Schaltwarte umgibt ist Panzerglas - damit kein Scharfschütze das Glas durchschießen kann. Was man gegen die offensichtlichste Bedrohung (weder Flugzeugabsturz noch Scharfschütze), nämlich Hochwasser der Donau, gemacht hat, hat uns keiner sagen können.

Danach waren wir nur noch essen im Ringsmuth *jam jam* Da gibt es einen Radweg, der durch so einen seltsamen Klotz unterbrochen ist!!! Vielleicht was für den Hauptbahnhof - Baustelle sieht man im Hintergrund leicht...

Alles in allem kann ich jedem echt nur so eine Führung empfehlen. Aber leider sind die ja schon Jahre im Voraus ausgebucht *hehehe*